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SZ-Wahlforum im Kulturhaus - 2.12.09

Fotos von Burkhard Volkholz

SZ - Wahlforum

Kandidaten zeigen Biss, Humor und Kampfgeist

Laupheim - Beim SZ-Wahlforum am Mittwochabend im Laupheimer Kulturhaus hat die Schwäbische Zeitung den Bürgermeisterkandidaten Monika Sitter und Rainer Kapellen auf den Zahn gefühlt. Dabei zeigten beide Biss, Humor und viel Kampfgeist.

Von unserem Redakteur Reiner Schick

Er habe sich zwischen den beiden "Löwen" wohl gefühlt, sagte der Redaktionsleiter der SZ Laupheim, Roland Ray, nach der zweistündigen Veranstaltung -- dabei war er es gewesen, der die Kandidaten "in die Mangel" genommen hatte. Weil sich der Moderator pfiffige Methoden der Fragestellung hatte einfallen lassen, wurde es den 700 Besuchern nicht langweilig.

So erfuhren sie nicht nur, dass Monika Sitter als Sternzeichen "Löwe" und Rainer Kapellen von Natur aus ein solcher ist. Die Amtsinhaberin brachte als einen für sie typischen Gegenstand vom Laupheimer Markt einen Apfel ("Naturbelassen, ungespritzt, von hier, knackig-frisch und manchmal mit kleinen Unebenheiten") mit. Den schenkte sie am Ende ihrem Herausforderer Kapellen, der sein mitgeführtes Notizbuch ("Es begleitet mich das ganze Jahr") lieber behielt.

Beide Kandidaten durften in lockerer Runde von ihren Erfahrungen im Wahlkampf erzählen, die Finanzsituation der Stadt beurteilen, ihre wichtigsten Zukunftsprojekte benennen und einen Wahlwerbespot sprechen. Auf die Frage nach dem "Plan B" für den Fall einer Wahlniederlage antwortete Monika Sitter: Eine Rückkehr in den bayerischen Staatsdienst sei ausgeschlossen, sie müsste sich als Volljuristin "beruflich neu aufstellen". Rainer Kapellen beteuerte, sich "keine Gedanken über einen Plan B" gemacht zu haben: "Mein Ziel ist ja, die Wahl am Sonntag zu gewinnen."

Im Blickpunkt des Abends standen indes einige Streitthemen, deren Inhalte in den unten stehenden Berichten zusammengefasst sind.

"Der harte Stuhl"

Auf dem hölzernen Mobiliar wird's unbequem

Laupheim (reis) - Auf "historischem Gestühl" -- dem alten Gemeinderatsmobiliar aus dem "Schlössle" -- hat Roland Ray die im ungepolsterten hölzernen Bürgermeisterstuhl sitzenden Kandidaten mit unbequemen Fragen konfrontiert.

Zu ihrem von Kritikern immer wieder angeprangerten Führungsstil hatte sich Monika Sitter zu äußern. Sie habe aufgrund der angespannten finanziellen Situation vor acht Jahren "einen ganz schweren Start" gehabt, sagte sie, und dabei habe sie von manchen Verwaltungsmitarbeitern "in meinem jugendlichen Elan zu viel verlangt. Die Mannschaft war auf so große Arbeitsfelder nicht eingestellt". Nach heftigem Raunen im Saal fügte Sitter an: "Die Mitarbeiter arbeiteten zum Teil am Rande der Belastbarkeit." Sie räumte ein, im Umgang mit Mitarbeitern, Räten oder Funktionären mitunter "zu spontan reagiert" zu haben, "was ich heute nicht mehr für gut heißen kann".

Auf die Frage, ob angesichts des gestörten Verhältnisses zu großen Teilen des Gemeinderats ein Neuanfang gelingen könne, antwortete Monika Sitter: "Ich tu das nicht gerne, aber ich muss sagen: Es gibt viele Menschen am Ratstisch, die vor acht Jahren ihre Kandidaten nicht durchgebracht haben. Und jetzt sucht man jemanden, der ein Parteibuch hat und verheiratet ist."

Monika Sitter musste sich auch zum Schuldenabbau in der von ihr im Wahlkampf angegebenen, umstrittenen Höhe von zehn Millionen Euro äußern. Hartnäckig verwies sie darauf, dass auch die Tilgung von Kassenkrediten zur Benennung der Summe herangezogen werden dürfe. An ihre Rede bei der Bürgerversammlung im Jahr 2006, bei der diese Kredite noch keine Rolle spielten und sie deshalb von einem anfänglichen Schuldenstand von 31,5 (statt 40) Millionen Euro gesprochen hatte, könne sie sich heute nicht mehr erinnern: "Tatsache ist, dass wir auch sechs Millionen Euro Kassenkredite getilgt haben." Dass man diesen und andere Erfolge ihrer Amtszeit "nun klein redet, finde ich nicht gerecht".

Rainer Kapellen entgegnete dem aus der Bevölkerung erhobenen Vorwurf, er habe in seinem Wahlkampf vieles vom Weingartener OB abgekupfert: "Ich habe keinen bezahlten Wahlkampfberater. Es gibt viele Menschen, von denen ich mir Rat geholt habe -- einer meiner ersten Ratgeber ist der Weingartener OB. Warum soll man aus einem erfolgreichen Konzept nichts übernehmen dürfen?"

"Nehmen Sie mich mit?"

Zum Gerücht, wonach sein angeblich nicht immer pfleglicher Umgang mit Rathausmitarbeitern zu mehreren Neubesetzungen der Sekretärinnenstelle geführt haben soll, sagte der Kandidat: "Meine erste Sekretärin wollte von 70 auf 50 Prozent reduzieren --das ging nicht. Zwei weitere haben während der Probezeit gewechselt, eine ist in Mutterschutz. Und die jetzige hat mich, nachdem sie von meiner Kandidatur in Laupheim erfahren hat, gefragt: ,Nehmen Sie mich mit?'"

Schließlich nahm Rainer Kapellen auch zur umstrittenen Entlassung eines Vorstands des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben (KBZO) im Jahr 2008 Stellung. Es habe sich um eine über mehr als ein halbes Jahr gereifte, von den insgesamt sieben Mitgliedern des Aufsichtsrates -- dem er vorsteht -- "einstimmig getroffene Entscheidung" gehandelt. Die in der Weihnachtszeit 2008 ausgesprochene Kündigung habe sich aufgrund der achtmonatigen Frist erst zum 30. Juni 2009 ausgewirkt.

Publikums-Fragerunde

Schulden und Stiftung stehen im Blickpunkt

Laupheim(reis) - Den Laupheimern geht im Endspurt des Bürgermeisterwahlkampfs offenbar die Puste aus. Bei der Fragerunde anlässlich des SZ-Forums fiel dem Publikum jedenfalls nicht viel Neues ein. Dabei blieb Rainer Kapellen nahezu unbehelligt.

Kernthema war einmal mehr die Finanzsituation der Stadt und der von Amtsinhaberin Monika Sitter angegebene Schuldenabbau. Wie sie es geschafft haben will, bereits bis 2004 angeblich zehn Millionen Euro abzubauen, wo doch die wesentlichen Gewerbesteuereinnahmen erst 2006 geflossen seien, wollte Christa Jerg von der Bürgerinitiative (BI) "Pro-Laupheim" wissen."Wir haben in den Anfangsjahren im Verwaltungsdienst gespart und die Einnahmen gebunkert", lautete Sitters Erklärung. Jergs BI-Kollegen Markus Roggenstein, der die von Sitter angegebene jährliche Zinsersparnis in Höhe von 700 000 Euro auf nichteinmal die Hälfte runterrechnete, vertröstete sie auf später: "Ich schreibe es auf meine Homepage, da können Sie es nachlesen."

Kritik wegen Karl-Jegg-Stiftung

Die Verschwendung von Zeit und Geld durch den von Monika Sitter geführten Rechtsstreit im Zusammenhang mit der Karl-Jegg-Stiftung kritisierten mehrere Zuhörer. Die Frage von Klaus Breitling aus Baustetten, weshalb es Laupheim -- im Gegensatz zu Illertissen -- seit Jahren nicht gelinge, die Mittel nach dem Stifterwillen zu verteilen, beantwortete die Bürgermeisterin so: "Illertissen ist von Anfang an mit einem Schulexperten im Stiftungsrat vertreten gewesen und hatte die Fördersatzung schnell in der Tasche. Wir in Laupheim mussten uns das erst erarbeiten."

Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Laupheim 4.12.2009