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Wahlarena des Stadtjugendringes - 3.12.09

Fotos von Burkhard Volkholz

"So, Laupheim, jetzt musst du dich entscheiden!"

LAUPHEIM -- Unsereiner hat ein "Herzblatt". Und was bekommt Laupheim am 6. Dezember? Klaro: ein Stadtoberhaupt für die nächsten acht Jahre. Wer aber soll dieses "Laupblatt" sein? In seiner vergnüglichen "Wahl-Arena" hat der Stadtjugendring gestern Abend zwei Kandidaten präsentiert: Monika Sitter und Rainer Kapellen.

Von unserem Redakteur Roland Ray

"Diese Bürgermeisterwahl ist etwas Besonderes, das ist spürbar", begrüßte der Stadtjugendring-Vorsitzende Michael Demuth die rund 300 Besucher im Kulturhaus. Das nehme man zum Anlass, einen neuen Weg zu beschreiten bei dem Bestreben, "die Politik der Jugend wieder ein Stück näher zu bringen". Spielend sollten die Kandidaten Sitter und Kapellen Facetten ihrer Persönlichkeit und politische Inhalte offenbaren. Die Spielleiter beriefen sich dabei auf keinen Geringeren als Plato: "In einer Stunde Spiel kann der Mensch mehr lernen als in einem ganzen Leben Gespräch."

So manche Liaison entsteht aus einer Kontaktanzeige. Eine solche hatten Monika Sitter und Rainer Kapellen als "Hausaufgabe" formuliert. Sitter schilderte Laupheim als "Perle" auf der Suche nach einer "Partnerin", mit der man durch Dick und Dünn gehen könne. Ecken und Kanten dürfe sie haben, jedoch müsse sie "treu sein und nicht von einer Stadt zur anderen hüpfen". Bei Kapellen hielt Laupheim, eine "attraktive Stadt mit vier Kindern", Ausschau nach einem familienerprobten und kreativen Partner, bereit, hier sesshaft zu werden, und ohne Furcht vor aktiven und engagierten Jugendlichen.

Ein charmanter Einstieg, den die Kandidaten, von den Moderatoren Martin Schäfer und Thomas Klaus umhegt, auf Sofas verfolgten. Dann war Handarbeit gefragt: Ansatzweise galt es einen Stuhl zusammenzubauen. Kapellen schraubte kurzentschlossen Beine an, Sitter studierte zunächst die Montageanleitung.

Am OB-Titel liegt es nicht

"Was wolltet ihr euren Bürgermeister schon immer einmal fragen?", interviewte der Stadtjugendring junge und jung gebliebene Menschen auf der Straße. Beide Kandidaten verneinten, dass die Aussicht, in Laupheim OB zu werden, ihre Bewerbung motiviert habe. Auf die Frage, wie viel Geld sie schon in ihren Wahlkampf gesteckt haben, antwortete Monika Sitter, sie habe in Summe 18 000 Euro überwiesen. Rainer Kapellen sagte, er habe keine Zeit zum Zählen -- "im Moment kommen lauter Rechnungen". Sitters Schule der Zukunft pflegt praxisbezogene Kooperationen mit Unternehmen; Kapellen hob darauf ab, dass Ganztagesbetreuung ein Mehr an "Aufenthaltsqualität" brauche.

Je sieben "Wahlbausteine" waren nach Prioritäten zu stapeln. Für Sitter stehen Bildung, Familie und Jugend ganz oben, für Kapellen Jugend, Senioren und Familie. Je 20 Sekunden durften die Beiden abwechselnd Fotos kommentieren. Sie erwiesen sich auch hier als schlagfertig. Kapellen zum Laupheimer Rathaus: "Da möcht' ich gern rein." Sitter über ein leeres Klassenzimmer: "Mir fehlen die Schüler und Lehrer, aber vielleicht warten die gerade auf den Neubau."

"Tabu" wurde auch gespielt. Ein "Persönlichkeitstest" konfrontierte die Kandidaten unter anderem mit der Frage, wie sie mit eigenen Fehlern umgehen, und welche Gründe wahrscheinlich sind, wenn sie ein "Problemgespräch" mit einem engen Mitarbeiter führen müssen. Die Ergebnisse möge ein jeder für sich interpretieren, empfahl Martin Schäfer.

Das Finale der "Wahl-Arena", die durch Sitzordnung, Beleuchtung und technische Ausstattung eine Atmosphäre fast wie im TV-Studio bot, nahm Bezug auf den Anfang. Stellvertretend für Laupheim befragte der "Laupfrosch" (im grasgrünen Kostüm: Michael Kahle) Sitter und Kapellen nach dem Muster der Fernsehsendung "Herzblatt"; er hatte die Wahl zwischen a) einer Kandidatin, die nach eigenem Bekunden durchaus Ecken und Kanten hat, "die im Laufe der Jahre mit Rundungen überdeckt wurden", und die sich -- stadtbezogen -- noch nie einen Seitensprung erlaubt habe; sowie b) einem Kandidaten, der unbedingt nach Laupheim ziehen und der Stadt mit akribischer Arbeit viel Freude bereiten möchte.

Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Laupheim 4.12.2009