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Stimmen zur Gemeinderatswahl - 9.6.09

Stimmen zur Gemeinderatswahl in Laupheim

FDP will weiterkämpfen: "Wir stehen wieder auf"

LAUPHEIM Die Schlacht ist geschlagen. Laupheim hat einen neuen Gemeinderat, der sich noch vor der kommunalpolitischen Sommerpause konstituieren soll. Nach Bekanntwerden des Ergebnisses waren die Mitglieder der Offenen Liste in Feierlaune. Andere schwankten zwischen zufrieden und enttäuscht.

Von Roland Ray und Reiner Schick

- Als alle 154 256 gültigen Stimmen ausgezählt waren, frohlockte Michael Kahle: "Wir haben unser Ziel erreicht, die Offene Liste wird Fraktion." Man habe sich sogar noch "einen Tick mehr" versprochen, sagte Kahle vier Sitze schienen aus seiner Sicht in Reichweite zu sein. Man habe wohl nicht so viele junge Wähler mobilisieren können wie erhofft. Haderte er etwa mit dem Schicksal? Iwo! "Ich freue mich", bekräftigte der Mitinitiator der OL, der 2004 auf Anhieb den Sprung in den Gemeinderat schaffte und die ersten fünf Jahre als "eine Art Lehrzeit" betrachtet. Die Arbeit in der Fraktion werde sich nun freilich anders gestalten, ist ihm bewusst: "Von mehr Leuten wird natürlich auch mehr kommen."

- Süßsauer war gestern Rudolf Pretzel zumute. "Das tut schon weh, wenn man Sitze einbüßt und drei amtierende Stadträte rausgekegelt werden", bekannte der Fraktionssprecher der Freien Wähler. Persönlich hat er erstmals die 4000er-Stimmenmarke geknackt, und auch die zwei FW-Mandate in Obersulmetingen tun ihm gut, doch dass seine Fraktion künftig auf Dr. Marianne Müller, Petra Schick und Peter Kölle verzichten muss, das schmerze schon: "Sie hatten sich gut eingearbeitet und eingebracht."

"Das Ergebnis löst keine überschäumende Freude aus, aber wir können damit leben", resümierte Pretzel. Vom Stimmenanteil her seien die Freien Wähler weiter die stärkste politische Kraft, "wir haben unseren Spitzenplatz auf etwas niedrigerem Niveau verteidigt". Das sei eine Bestätigung und eine gute Basis für die künftige Arbeit, "und die Kräfteverhältnisse im Rat haben sich ja nicht grundlegend verschoben. Die CDU ist auch nicht ungestreift davon gekommen."

Der Erfolg der Offenen Liste hat Pretzel nicht überrascht: "Die waren deutlich umfangreicher und besser besetzt als 2004." Die SPD habe den Verzicht von Brigitte Bailer zu spüren bekommen "sie war nicht zu ersetzen".


- "Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden", sagte der CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz. "Wir sind wie bisher auf Augenhöhe mit den Freien Wählern." Ärgerlich findet Volkholz, dass seine Fraktion "zwei erfahrene Kommunalpolitiker" verliert: Günter Schneider und Dietmar Osswald. Ärgerlich auch, dass es nicht gelungen sei, das bisher von Alfred Brehm gehaltene Mandat in Obersulmetingen zu verteidigen. Anderseits ist man stolz auf die "Stimmenkönigin" Brigitte Angele und den fulminanten Einstieg von Dr. Raphael Mangold; und mit Rita Stetter habe man eine "erfahrene Verwaltungsspezialistin" neu in der Fraktion.

"Mit der Gesamtkonstellation kann man gut leben", findet Volkholz. Das Wahlergebnis sei indessen sicher nicht das Wunschresultat der Bürgermeisterin, die sich öffentlich eine andere Zusammensetzung des Rats erhofft habe. Der CDU-Chef erkennt vielmehr, dass von diesem Urnengang ein "ermutigendes Signal" ausgehen könne an mögliche Herausforderer von Monika Sitter bei der Bürgermeisterwahl im Dezember.


- "Leichte Enttäuschung" herrsche bei der SPD über den verloren gegangenen Ratssitz, zog der sozialdemokratische Fraktionschef Manfred Stradinger ein erstes Fazit. Anderseits könne man froh sein, nicht schlimmer erwischt worden zu sein, denn das eigene Wählerpotenzial sei dem der Offenen Liste durchaus vergleichbar. Alle Konkurrenten hätten zugunsten der OL etwas abgeben müssen, deucht Stradinger.

Auch bei der SPD herrschte gestern der Eindruck vor, dass am Sonntag viele Jungwähler zu Hause geblieben sind. "Wenn die sich zusammentäten, hätten wir endlich mal wieder jemanden unter 30 im Gemeinderat" hieß es beim sozialdemokratischen Kandidatentreff nach der Wahl.

Ob die Gemeinderatswahl von Bedeutung sein kann für die nahe Bürgermeisterwahl? Das sei schwierig einzuschätzen, sagt Stradinger. Die Mehrheitsverhältnisse im Rat hätten sich insgesamt nicht wesentlich verschoben und Sitters Hauptkritiker keinen Einbruch erlitten. "Wir haben im Wahlkampf Pro und Contra zu unserer Haltung zur Bürgermeisterin bekommen", berichtet er. "Das hat sich entweder ausgeglichen oder keine Rolle gespielt."


- "Es war uns bewusst, dass es mit einer kleinen Liste schwierig sein würde, in den Gemeinderat gewählt zu werden", kommentiert Sonja Weiler, Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Laupheim und selbst Ratskandidatin, den zweiten vergeblichen Anlauf ihrer Partei nach 2004. Immerhin aber habe man mit 3775 Stimmen für vier Kandidaten ein besseres Ergebnis erzielt als vor fünf Jahren mit 3430 Stimmen für sechs Kandidaten. "Deshalb ist unsere Ausbeute sehr gut", findet Weiler und verspricht: "Wir bleiben am Ball." Vorrangiges Ziel für 2014 sei es, eine größere Liste auf die Beine zu stellen. "Wir haben uns in diesem Jahr die Hacken abgelaufen, aber es war total schwierig. Die Hemmschwelle, für eine Partei anzutreten, ist größer als für eine Wählervereinigung", glaubt Sonja Weiler. Sie hofft aber, dass sich der positive Trend der FDP auf überregionaler Ebene auch auf den kommunalen Bereich niederschlägt: "Das Ergebnis der Europawahl stärkt uns. Wir sind am Sonntag hingefallen, aber wir stehen wieder auf."

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Ausgabe Laupheim 09.06.2009