Bihlafinger fordern neue Turnhalle - jetzt - 7.7.2017

Die Einwohner des Laupheimer Teilorts wollen sich nicht länger vertrösten lassen

Es schimmelt in der maroden Bihlafinger Miniturnhalle. Bei einer Untersuchung 2016 durch das Landesgesundheitsamt seien indes keine feuchtetypischen Schimmelpilze gefunden worden, hieß es; ebenso sei keine Belastung der Luft durch feuchtliebende Schimmelpilze vorhanden. Der muffige Geruch komme wohl von mikrobiellem Wachstum in der Bauwerkshülle.

Bihlafingen - Groß ist die Freude in Bihlafingen gewesen, als der Gemeinderat im November auf Antrag der CDU-Fraktion ohne Gegenstimmen beschloss, dass Laupheims kleinster Teilort mit höchster Dringlichkeit eine neue Turnhalle bekommen soll. Im städtischen Haushalt 2017 sind 300 000 Euro für Planungskosten eingestellt. Erkennbar geschehen ist jedoch bis heute nichts.


"Uns platzt allmählich der Kragen", sagt Peter Fritzenschaft, Mitglied des Ortschaftsrats. "Niemand in Bihlafingen versteht, warum sich in Sachen Turnhalle nichts bewegt. Aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses durften wir davon ausgehen, dass das städtische Baudezernat die Planungen zügig in Angriff nimmt." Unter den Einwohnern machten sich Frust und Verärgerung breit, berichtet die Ortsvorsteherin Rita Stetter.


Schimmel und Modergeruch

In Bihlafingen gibt es bisher lediglich einen an die Grundschule angegliederten, mehr als 50 Jahre alten Gymnastikraum, kaum größer als ein Klassenzimmer; er wird auch für Vereinssport genutzt. Für viele Sportarten ist zu wenig Platz. Duschen und Lehrerumkleide sind mit Geräten vollgestellt, weil Lagerräume fehlen; die Toiletten liegen außen und sind nur über den Pausenhof zugänglich. Der energetische Zustand ist desaströs. Dazu kommen Schimmel und ein penetranter Modergeruch. Einige Kinder konnten deshalb nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen. Auch Erwachsene meiden die Lokalität inzwischen und suchen sich Trainingsmöglichkeiten auswärts.


Oberbürgermeister Rainer Kapellen, so der Eindruck nicht nur in Bihlafingen, habe die Planung für eine neue Turnhalle zuletzt hinausgezögert; er will offenbar erst über das neue Sportentwicklungskonzept und Priorisierungen, die sich daraus ergeben könnten, beraten lassen. Federführend bei der Bestandsaufnahme und Analyse war das Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS). Eine "Lokale Planungsgruppe", der unter anderem Vertreter von Rat, Stadtverwaltung, Sportvereinen, Schulen, Kitas, offener Jugendarbeit, Senioren und VHS angehörten, hat auf dieser Grundlage Leitziele und Empfehlungen erarbeitet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie viele und welche Sportstätten in Laupheim aktuell und in Zukunft benötigt werden und an welchen Standorten.


Im SZ-Silvesterinterview hatte Rainer Kapellen die Vorgehensweise des Gemeinderats kritisiert, ein solches Konzept in Auftrag zu geben und dann, bevor Ergebnisse vorliegen, den Bau einer Halle in Bihlafingen zu beschließen - "für mich ist das in der Reihenfolge nicht schlüssig". Peter Fritzenschaft und Rita Stetter, Stadträtin der CDU, halten dagegen, dass die Entscheidung im November bewusst unabhängig von der Sportentwicklungsplanung getroffen worden sei, aufgrund des akuten Handlungsbedarfs - "das eine hat mit dem anderen nichts zu tun". Der Ortschaftsrat besteht darauf, dass der Beschluss umgesetzt wird. Die Hauptinvestitionsrate für die neue Turnhalle ist in der mittelfristigen Finanzplanung enthalten, laut aktueller Beschlusslage würde 2018/19 gebaut.


Am Montag stellt Kapellen die Sportentwicklungsplanung im Verwaltungs- und Finanzausschuss vor, eine Woche später soll der Gemeinderat Beschlüsse fassen. In der Vorlage steht: "Die dringend notwendige Verbesserung der Raumsituation in Bihlafingen ist unstrittig." Allerdings, so der IKPS-Bericht, reiche für den dortigen Schulsport und die sonst vorhandenen Angebote eine kleine Halle mit 250 Quadratmetern aus.

Die mehr als 50 Jahre alte Halle ist nur rund 100 Quadratmeter groß. Fotos: Roland Ray

"Wir haben einen Grundbedarf"

Die Bihlafinger widersprechen vehement. "Wir haben einen Grundbedarf", betont Rita Stetter. Und der gehe über eine rein sportmathematische Kalkulation - "so darf man bei einer Gemeinde unserer Größe nicht rechnen" - hinaus. Nicht anders habe das der Gemeinderat bei seiner explizit politischen Entscheidung im November gesehen.


Sämtliche Nachbargemeinden verfügten über Mehrzweckhallen, "wir dagegen haben nichts, wir sind im Nachteil", sagt Stetter. Bihlafingen benötige endlich eine Grundausstattung sowohl für sportliche als auch für gesellschaftliche Aktivitäten, "keine Luxusanlage", aber doch wenigstens eine ballspieltaugliche Einfeldhalle mit den Maßen 27 mal 15 Meter. Eine solche Halle wird mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Exakt diesen Betrag nannte der Kämmerer Gerold Rechle bei den Etatberatungen im Dezember.


Die Mitglieder der "Lokalen Planungsgruppe" haben sich nicht auf eine gemeinsame Empfehlung für die Hallengröße verständigen können. Für Unmut in Bihlafingen sorgt zudem eine andere Passage in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat. Höchste Priorität messen IKPS und Planungsgruppe demnach dem Neubau einer Dreifeldhalle in Laupheim bei (geschätzte Kosten: 7,8 Millionen Euro). "Aufgrund der finanziell und personell begrenzten Leistungsfähigkeit der Stadt" sei deshalb über eine Priorisierung der Vorhaben zu beraten. Eine der "möglichen" Varianten lautet, die Planung für die Dreifeldhalle vorzuziehen und die im Haushalt 2017 für das Bihlafinger Hallenprojekt eingestellten Mittel dafür zu verwenden. Ein Neubau in Bihlafingen könne dann "voraussichtlich im Haushalt 2020 ff." finanziert werden.


Das könne unmöglich angehen, sagt Rita Stetter und fordert, unverzüglich beide Hallenprojekte zu realisieren- "das ist zum jetzigen Zeitpunkt machbar". Die Stadt stehe finanziell blendend da, wie der jüngste Bericht des Kämmerers belege.


Schützenhilfe erhält Stetter von beiden großen Ratsfraktionen. "Auch wir sind dafür, jetzt beide Vorhaben in Angriff zu nehmen", sagt der CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz. Die Bihlafinger warteten seit Langem auf Ersatz für die marode Minihalle, ein Neubau sei überfällig. Benötigt werde eine ballspieltaugliche Einfeldhalle. Wenn die erst mal stehe, werde sich Bedarf entwickeln, ist Volkholz überzeugt. Im Übrigen könne man in Bihlafingen sofort loslegen, während in Sachen Dreifeldhalle noch manches zu klären sei. Es werde sich also fast von selbst eine gut verträgliche zeitliche Reihenfolge ergeben.


Erwin Graf, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, sieht es genauso. "Der Großteil unserer Fraktion steht hinter Bihlafingen", sagte er der SZ. Der Teilort habe sich enorm gut entwickelt und inzwischen mehr als 800 Einwohner. Da brauche es ein angemessenes Bauwerk für Sport und kulturelle Belange, eine Einfeldhalle mit "Mehrzweckcharakter". Das gehöre zur Infrastruktur dazu, schließlich müsse Bihlafingen als Wohnort attraktiv bleiben und mit den Nachbargemeinden mithalten können. Auch dafür trage der Gemeinderat eine Verantwortung, "und die finanzielle Lage der Stadt kommt dem Ansinnen ja entgegen“.

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Ausgabe Laupheim vom 07.07.2017