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Kapellen schlägt ein kommunales Kino vor - 20.7.17

Es wäre ans Museum angegliedert - Für den Betrieb müssten Ehrenamtliche sorgen

Von Roland Ray

Laupheim - Die Idee, ein kommunales Kino im Schloss Großlaupheim einzurichten, haben der Museumsleiter Michael Niemetz und Oberbürgermeister Rainer Kapellen am Montag im Gemeinderat vorgestellt. Mit 14:10 Stimmen beauftragte das Gremium die Verwaltung, das ehrenamtliche Engagement für ein solches Kino zu sondieren und ein Feinkonzept auszuarbeiten.

Seit 2006 sind die "Regina-Lichtspiele" in der Mittelstraße Vergangenheit. Einzig das kleine Laemmle-Kino im Museum zur Geschichte von Christen und Juden mit etwa 30 Sitzplätzen bietet Cineasten heute in Laupheim ein regelmäßiges Programm. Mit ein bis zwei Filmen pro Monat hat es ein Stammpublikum gewonnen und kooperiert dabei mit der Volkshochschule und dem Intendanten der Biberacher Filmfestspiele, Adrian Kutter.

Dass es kein größeres Angebot gibt, bedauern viele in Laupheim, doch ein kommerzielles Kino in der Rottumstadt wäre wohl chancenlos gegen die Konkurrenz in Ulm, Neu-Ulm, Biberach und Ehingen. Ein nicht gewinnorientiertes, von Ehrenamtlichen betriebenes kommunales Kino erachtet die Verwaltung dagegen als "inhaltlich und organisatorisch passend und vielversprechend". Solche Kinos, heißt es in einem Exposé, beruhten auf dem Konzept, ein alternatives Programm zu zeigen, "das den Film als Kunstform und Bildungsmedium präsentiert, was Unterhaltung keineswegs ausschließt".

100 Plätze im ehemaligen Sudhaus

Michael Niemetz und der OB haben am Montag erläutert, wie ein kommunales Kino in Laupheim, angegliedert an das Museum, Wirklichkeit werden könnte:

Die Stadt stellt das ehemalige Sudhaus im Schloss Großlaupheim zur Verfügung. Der Raum wird zurzeit als Lager für das Museum genutzt; bei der Schlosssanierung in den 90ern wurden die Anschlüsse für einen Ausbau vorbereitet. Ein Kinosaal mit Theaterbestuhlung für bis zu 100 Personen könnte hier entstehen, der auch als Vortrags- und Konzertraum mit kleiner Bühne taugt. Eine erste Kostenschätzung veranschlagt etwa 285 000 Euro für bauliche Maßnahmen, technische Anlagen, Ausstattung und Kinotechnik. Zuschüsse über die Filmförderungsanstalt in Berlin sind möglich. Nach zwei Jahren erfolgreicher Kooperation zwischen Kommune und Ehrenamtlichen kann bei der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg eine 50-prozentige Betriebskostenbeteiligung durch das Land beantragt werden.

Ehrenamtliches Engagement sei unerlässlich für den Betrieb eines kommunalen Kinos, heißt es in dem Exposé. "In Laupheim bietet sich der Vereinsstatus als Organisationsform an, da das Kino im Museum Teil einer städtischen Liegenschaft wäre." Man müsse ausloten, was möglich ist und wie stark sich zum Beispiel der Carl-Laemmle-Förderverein einbringen würde, sagte Rainer Kapellen.

Von einem kommunalen Kino würde auch das Museum profitieren, betonte Michael Niemetz. Er sieht eine "Riesenchance", durch Filmvorführungen mehr positive Aufmerksamkeit auf das anspruchsvolle Thema der christlich-jüdischen Koexistenz zu lenken und den Gegen- wartsbezug des Museums einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Mit dem Hollywood-Pionier Carl Laemmle und der Film- und Kinogeschichte besitze das Museum einen sehr populären Erzählstrang.

Das Kino als Ausstellungsraum

Darüber hinaus bietet Adrian Kutter an, die bisher in Biberach befindliche, film- und kinohistorisch bedeutende Sammlung des Film- und Kinomuseums Baden-Württemberg zur Verfügung zu stellen. Eine Integration dieser Sammlung "würde eine thematisch sinnvolle Ergänzung zum Museum bieten, sodass der Kinosaal zugleich Ausstellungsraum wäre", erläutert das Exposé. Eine solche Einbindung "würde das Kernthema des Museums mit Carl Laemmle als Leitfigur in einen bedeutenden überregionalen Kontext stellen".

Fazit aus Sicht der Verwaltung: "Ein kommunales Carl-Laemmle- Museumskino wäre mit diesem Gesamtpaket ein einzigartiger Kommunikationsort, der über Inhalt und Atmosphäre einen ganz erstaunlichen Mehrwert für Laupheim hätte: als Kino, Dauerausstellungs-, Vortrags- und Präsentationsraum."

Beifall von CDU, SPD und OL - Freie Wähler sagen zum jetzigen Zeitpunkt nein

Hinter den mit Pfeilen markierten Fenstern war früher das Sudhaus von Schloss Großlaupheim. Dort könnte nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung ein kommunales Kino eingerichtet werden. Foto: Roland Ray

Ein kommunales Kino würde das Museum gut ergänzen, "die Idee ist auf den ersten Blick charmant", sagte Rudolf Pretzel (Freie Wähler). "Zum jetzigen Zeitpunkt sagen wir aber nein." Er begründete das mit der "ellenlangen To-do-Liste" der Stadt. "Wir schieben einen Riesenberg an Aufgaben vor uns her. Zusätzliche Aufgaben sind jetzt nicht sinnvoll. Wir sollten uns erst um das Beschlossene kümmern."

Die vorgelegte Kostenschätzung sei "sicher nicht auskömmlich", meinte Pretzels Fraktionskollege Werner Lehmann. Das Mauerwerk des Sudhauses sei durchfeuchtet. Skepsis auch bei Peter Hertenberger. Ihm ist das Konzept noch zu dünn. Auch bezweifelt er, dass die Jugend sich für dieses Kino erwärmen wird. Zu fragen sei ferner, wie die Betriebskosten einigermaßen aufgefangen werden sollen.

"Eine Carl-Laemmle-Stadt Laupheim ohne Kino ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit", sagte demgegenüber Christian Biffar (CDU).Bei den Bürgern werde der Wunsch nach einem Kino immer wieder laut, im Stadtentwicklungsprogramm 2020 sei er generationenübergreifend verankert. Das Laemmle-Kino im Museum genieße bei seiner kleinen Fangemeinde bereits Kultstatus. Es stoße nur in punkto Platz und Ausstattung an Grenzen.

Das Potenzial, erfolgreich ein Kino zu etablieren, liege eindeutig in der Verbindung mit dem Museum, sagte Biffar. Bestechend die multifunktionale Nutzbarkeit des Kinosaals und "ein Flair, das seinesgleichen suchen wird". Durch eine Ausstellung mit Exponaten des Film- und Kinomuseums Baden-Württemberg entstehe eine weitere Museumsattraktion.

Programmkino und Sneak-Previews, Wunsch- und Konzertkino, Filmkunst und Filmwerkstatt, Projekttage und lange Filmnächte: vieles kann Biffar sich vorstellen. "Kino im Schloss" müsse eine Marke werden, forderte er. Der Zeitpunkt sei günstig, um im Schwung des erfolgreich gestarteten Produzentenpreises die neu geknüpften Kontakte zur Filmindustrie zu nutzen und eine Allianz zu schmieden aus Vereinen, Stadt, Kulturträgern, Szene-Kennern und dem bereits wachsenden Kreis von Kino-Unterstützern.

"Wir sind auch beeindruckt von der Vorlage", sagte Anja Reinalter (Offene Liste). 100 Plätze im Kinosaal dünkten sie allerdings ziemlich viel - "muss es so groß sein?"

"Selten hat mich eine Vorlage so begeistert", bekannte Brigitte Schmidt (SPD). Sie geht davon aus, dass sich Ehrenamtliche finden, die das Projekt kommunales Kino unterstützen.

Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Laupheim vom 20.07.2017