Spezielles Bauverfahren soll dafür sorgen, dass die Keller ringsum trocken bleiben - 13.7.17

Hotelerweiterung "Laupheimer Hof": Der neu gefasste Bebauungsplan wird ausgelegt - Volkholz spricht von einem "juristischen Minenfeld"

Von Roland Ray

Laupheim - Wie lässt sich die Hotelerweiterung "Laupheimer Hof" realisieren, ohne dass Nachbarn Probleme mit dem Grundwasser bekommen? Professor Rolf Schrodi, Hochschullehrer für Geotechnik in Biberach und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, hat dazu im Auftrag der Stadt Laupheim ein Gutachten zur geologischen und hydrogeologischen Situation erstellt. Er stützt sich auf ein Baugrundgutachten der Fachfirma Baugrund Süd.

Am Montag hat Schrodi im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats das Verfahren erläutert, mit dem die Tiefgarage des Hotels gebaut werden soll:

Schritt 1: Mit Bohrschnecken wird das Erdreich aufgelockert. Das erleichtert das Einbringen von Spundwänden.

Schritt 2: Die Spundwände werden eingebracht; sie bilden einen nahezu wasserdichten Trog um die Baugrube.

Schritt 3: Die Baugrube wird ausgehoben; die Sohle liegt etwa 4,70 Meter unter Gelände. In der Grube erwartet Schrodi nur unbedeutende Wassermengen, mit denen man problemlos zurechtkommen sollte. "Wir rechnen nicht damit, dass die Ober- und Unterlieger dadurch Nachteile haben."

Schritt 4: Die Tiefgarage wird in drei bis vier Monaten gebaut. Die Arbeitsräume zur Spundwand hin werden entsprechend der beim Aushub angetroffenen geologischen Schichtung mit wasserdurchlässigem oder -undurchlässigem Material verfüllt und verdichtet.

Schritt 5: Die Spundwände werden herausgezogen und der Ziehspalt im Bereich der oberen Erdschicht dabei mit einer Spezialmasse verpresst, die abdichtet und das Risiko minimiert, dass aus der darunter liegenden, Grundwasser führenden Schicht Wasser nach oben drückt. Sollte es wider Erwarten undichte Stellen geben, könne man sie nachträglich mit Hochdruckinjektionen schließen.

Die Tiefgarage wird zum Teil in der Grundwasser führenden Schicht liegen, darunter bleibt laut Schrodi in dieser Erdschicht aber genügend Platz für ein ungehindertes Fließen. Die Durchlässigkeit werde nach dem Ziehen der Spundwände wiederhergestellt und bleibe erhalten. Dies sei ein erprobtes Verfahren und die bestmögliche Methode, das Bauvorhaben zu verwirklichen, ohne den Untergrund zum Nachteil der Nachbarn zu verändern, resümierte der Experte. Bohrpfähle hätten demgegenüber den Nachteil, dass sie im Boden bleiben; sie könnten dann womöglich wie Sperren wirken.

Auf Nachfrage der SZ sagte Schrodi, dass der Aufwand beim Bau des Hotelgebäudes, das an den heutigen "Laupheimer Hof" andockt, geringer sein werde. Das Gründungsniveau liege hier oberhalb der Grundwasser führenden Erdschicht.

Kazek: "Nehmen Ängste ernst"

Einstimmig hat der Ausschuss beschlossen, den neu gefassten Bebauungsplan "Hotelerweiterung Laup- heimer Hof" einen Monat lang öffentlich auszulegen. Die erste Version hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg wegen formaler Mängel gekippt.

"Wir nehmen die Ängste der Nachbarn ernst", versicherte Stadtbaumeisterin Marion Kazek. Mit der Grundwasserproblematik habe man sich deshalb im Zuge der Neufassung des Bebauungsplans nochmals eingehend beschäftigt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien in den Bebauungsplan eingeflossen, sagte Thomas Echtle vom Baudezernat.

Wie berichtet, hat ein Anwohner der Rabenstraße seit Monaten Wasser im Keller. Zuvor war eine wenige Meter entfernte Baugrube der GWO über Wochen geflutet gewesen.

Das Thema "Laupheimer Hof" sei ein "juristisches Minenfeld", sagte der CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz. Aktuell wollen 16 Anwohner die Hotelerweiterung mit einem Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz aufhalten und beim Verwaltungsgericht Sigmaringen einen Baustopp erwirken. Dessen ungeachtet stehe die CDU-Fraktion nach wie vor zur Hotelerweiterung, so Volkholz, weil Laupheim gehobene Übernachtungsmöglichkeiten dringend benötige. "Die Investoren haben nach unserer Ansicht alles getan und mehrfach kostenintensiv umgeplant, um den Nachbarn entgegenzukommen." Auch in punkto Grundwasser seien jetzt offensichtlich Vorkehrungen getroffen.

"Wir haben den Eindruck gewonnen, dass schon lange keiner mehr weiß, was richtig oder falsch ist", bedauerte Volkholz den schwelenden Rechtsstreit. Insofern habe die CDU Verständnis für die Investoren, "die die Geduld verloren haben und nun - im Bewusstsein des Risikos - loslegen wollen, da sie eine rechtskräftige Baugenehmigung der Stadt besitzen, auf der Basis eines für unwirksam erklärten Bebauungsplans". Das sei "schon schwierig zu verstehen".

"Wir wollen das Hotel, und für alle eine gütliche Lösung", sagte Iris Godel-Ruepp (Offene Liste). Auch die Freien Wähler und die SPD sagten Ja zur Auslegung des Bebauungsplans.

Es sei noch keine Baufreigabe erteilt, weil Erklärungen der Bauherrschaft fehlten, informierte Marion Kazek. Der Durchführungsvertrag zwischen Stadt und Bauherrschaft werde überarbeitet und angepasst.

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Ausgabe Laupheim vom 13.07.2017