Gemeinderat beschließt Architektenwettbewerb - 25.7.18

Das Rathaus sanieren oder neu bauen? Experten sollen Vorschläge entwickeln

Sanieren und erweitern oder abreißen und neu bauen? Das Rathaus entspreche in keiner Weise mehr den Anforderungen an ein zeitgemäßes Verwaltungsgebäude, steht in der Beschlussvorlage vom Montag. Foto: Braig

Von Roland Ray

Laupheim - Die Frage, was mit dem Laupheimer Rathaus wird, ist weiter offen. Einstimmig ist der Gemeinderat am Montag dem Vorschlag von Oberbürgermeister Gerold Rechle gefolgt, einen Architektenwettbe- werb auszuschreiben, der beide Optionen - eine Sanierung und Erweiterung des Gebäudes und alternativ einen Neubau - in den Blick nimmt.


Die Fraktionen beauftragten die Verwaltung, in den nächsten Wochen Wettbewerbskriterien zu erarbeiten, über die der Rat im Herbst beschließt. Auf dieser Grundlage soll ein EU-weites Verfahren gestartet werden, mit dem Ziel, am Ende eine bestimmte Anzahl von Architekturbüros mit einschlägiger Expertise zu beauftragen, Vorschläge zu entwickeln. Rechle sprach von sechs bis acht Büros. Rathaus-Neubau, Bestandssanierung oder umfassende Kernsanierung: Sämtliche Varianten können untersucht werden. Eine Jury beurteilt die eingereichten Entwürfe. Die Stadt lobt einen Sonderpreis für besonders wirtschaftliche Lösungen aus.


"Wir sollten zwingend vorankommen beim Thema Rathaus", mahnte Gerold Rechle. Zum einen, weil die Entscheidung, ob saniert oder neu gebaut wird, Einfluss auf das weitere Vorgehen bei der Neugestaltung der Stadtmitte habe. Zum anderen, weil der bauliche Zustand des Rathauses immer schlechter und die Mängel-liste immer länger werde. Jahr für Jahr brauche es einen hohen fünfstelligen Betrag, nur um das Nötigste zu flicken. Wegen der dürftigen Gebäudeisolierung seien die Energiekosten "exorbitant".


Damit nicht genug: "Immer häufiger können Arbeitsplatz- und Arbeitsschutzrichtlinien nicht eingehalten werden", berichtete der OB und erinnerte an die Fürsorgepflicht für die städtischen Mitarbeiter. Die räumlichen Kapazitäten seien, bedingt durch neue Aufgaben und Stellenzuwachs, erschöpft - "wir platzen aus allen Nähten". Es mussten bereits anderweitig Räume ertüchtigt oder angemietet werden.


Es sei an der Zeit, ein Dienstleistungszentrum bereitzuhalten, das einer Großen Kreisstadt angemessen ist, resümierte Rechle. Am 29. Juni hat eine Arbeitsgruppe getagt, der Mitglieder der Ratsfraktionen, der Verwaltung und des städtischen Gestaltungsbeirats angehören. Sie beauftragte einen Bausachverständigen, die voraussichtlichen Kosten für einen Neubau und eine Kernsanierung zu benennen. Wobei Kernsanierung bedeuten würde, dass von der jetzigen Bausubstanz im Wesentlichen nur das Stahlbetonskelett mit Keller und die Betonkerne stehen bleiben. Die Vorgaben für das Raumprogramm lauten: 155 Mitarbeiterplätze (davon 30 für Personalreserve), Warteräume für Ausländerstelle, Wohngeldstelle, Einwohnermeldeamt und Sozialstelle, Empfang, mindestens fünf Besprechungsräume mit Vorbereich sowie Neben- und Sozialräume.


10,2 bis 10,8 Millionen Euro
Der Sachverständige schätzt, dass eine Sanierung/Erweiterung dergestalt etwa 10,2 Millionen Euro kosten würde, ein Neubau 10,8 Millionen. Ein sechs Jahre altes Gutachten des Ulmer Ingenieurbüros Fides landete bei 9,3 und 9,5 Millionen Euro.


Die Arbeitsgruppe hat auch Vor- und Nachteile beider Optionen aufgelistet. Bei einem Neubau wären Lage und Höhenlage des Gebäudes - anders als bei einer Sanierung - frei wählbar, der Marktplatz erweiterbar und Stellplätze im Untergeschoss möglich. Bei einer Sanierung könnten die vorhandenen Fundamente auch künftig genutzt werden und es gäbe keine Probleme mit Grundwasser.

Das sagen die Stadträte

"Wir gehen zu 100 Prozent mit", lobte Werner Lehmann (Freie Wähler) Gerold Rechles Beschlussvorschlag, alle Optionen für das Rathaus im Rahmen eines Architektenwettbewerbs vertieft zu untersuchen. Seine Fraktion sei dem Oberbürgermeister "enorm dankbar, dass wir heute nicht ja oder nein sagen mussten zu neu bauen oder sanieren". Einigkeit herrsche, dass die Arbeitsplatzsituation für die städtischen Mitarbeiter verbessert werden müsse; speziell im Sommer und Winter seien die klimatischen Verhältnisse manchmal unerträglich. Das künftige Rathaus müsse auch mehr Platz bieten. Alles in allem: "eine Mammutaufgabe".


Es sei für jedermann ersichtlich, "dass das Rathaus dringend saniert oder erneuert werden muss", sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Brigitte Schmidt. Im energetischen Bereich gebe es viel zu tun, "und wir wünschen uns ein besseres Raumkonzept, ein barrierefreies Bürgerbüro und bessere Arbeitsplatzbedingungen". Es sei "ein guter Schachzug" des OB, mit dem Architektenwettbewerb alle Optionen offen zu halten. "Wir erhoffen uns eine unvoreingenommene Gegenüberstellung", sagte Schmidt. Enorm wichtig sei ein Bodengutachten, vor allem bei einem Neubau. Es gebe ja auch in jüngerer Zeit genügend Beispiele in Laupheim für unliebsame Überraschungen im Erdreich.


Erhebliche Zweifel hegt Burkhard Volkholz (CDU) an den Kostenschätzungen von rund zehn bis elf Millionen Euro für Sanierung und Neubau: "Wenn das , Haus des Kindes' bereits rund sieben bis acht Millionen kostet, können diese Zahlen alle nicht überzeugen." So sei es jetzt unmöglich, eine sachlich fundierte Entscheidung für Sanierung oder Neubau zu treffen. Es wäre allenfalls eine emotionale Entscheidung, "das wird der Sache aber nicht gerecht". Ein Bodengutachten und andere zeitaufwendige Untersuchungen sollten am besten sofort beauftragt werden. "Bei diesem Jahrhundert-Projekt sollten wir uns für eine nachhaltige gute Lösung die notwendige Zeit nehmen", empfahl Volkholz und regte eine Klausurtagung an, wenn die Entwürfe der Architekten vorliegen.


Iris Godel-Ruepp (Offene Liste) hofft, dass Architekten gefunden werden, die die Optionen mit dem gebührenden Interesse beleuchten.


Gerold Rechle versicherte: "Der Gemeinderat ist jederzeit Herr des Verfahrens." Wenn saniert werde, müsse auch ein Teil Erweiterung dabei sein - das sei Teil der Wettbewerbsaufgabe. (ry)

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Ausgabe Laupheim vom 25.07.2018