Neu entdeckte Baumängel verteuern Hallenbadsanierung - 20.6.18

Zerstörte Dampfsperre, gelöste Beckenfliesen, zersetztes Holz: Schadensbehebung kostet 422 000 Euro

Diese Trümmer waren gewollt, denn Fliesen und Estrich rund um das Schwimmbecken im bestehenden Hallenbad werden erneuert. Nun aber gibt es Probleme mit den Fliesen auf dem Beckenboden. Foto: Roland Ray

Von Roland Ray

Laupheim - Die Sanierung des Hallenbads verteuert sich. Bei den Arbeiten wurden jüngst verschiedene bis dahin nicht bekannte Schäden an der Bausubstanz entdeckt. Die Mehrkosten betragen nach jetzigem Stand 422 000 Euro, aber das ist wohl noch nicht alles.


"Mehr als unbefriedigend" sei diese Entwicklung, beklagte die Finanzdezernentin Elena Breymaier am Montag im Gemeinderat. Es seien neue Mängel entdeckt worden, "mit denen nicht zu rechnen war". Ulrich Möllmann, im Rathaus zuständig für das Parkbad, zählte sie auf:


Beim Rückbau der Abhangdecke in der Caféteria wurde die Unterkonstruktion freigelegt. Die Ausführung lasse vermuten, dass in diesem Bereich ursprünglich eine einfache Terrassenüberdachung geplant war und erst während des Hallenbadbaus entschieden wurde, einen Gastraum zu gestalten, erläuterte Möllmann. Darauf deuteten unter anderem der nachträglich erfolgte Einbau der Lüftung und Aussparungen in der Trägerkonstruktion hin. Fatal daran: Die Dampfsperre wurde zerstört und durch Entnahme der Dämmung ein "Lüftungskanal" geschaffen. Mit der Folge, dass nun der komplette Vorbau erneuert werden muss. Bisher war lediglich der Austausch der Glasfassade vorgesehen. Geschätzte Kosten der Schadensbehebung: 151 000 Euro.


Im Schwimmerbecken wurden Bodenfliesen angehoben, was laut Möllmann darauf hindeutet, dass sie nicht ausreichend auf dem Untergrund haften. Die notwendige Nachbehandlung des Estrichs und der Austausch der Fliesen summieren sich auf rund 70 000 Euro.


Eine Überprüfung der Tragwerkkonstruktion hat laut OB Gerold Rechle ergeben, dass zwei Risse in Holzbalken ausgebessert werden müssen. Das verursache Kosten im vierstelligen Bereich.


Der Rückbau der Fassade hat das ganze Ausmaß der Schäden am Dachvorsprung offenbart. "Teilweise hat sich die Holzverblendung zersetzt und ist nicht mehr vorhanden", heißt es im Bericht der Stadtverwaltung. Um eine neue Glasfassade einsetzen zu können, müsse zuerst dieser Schaden behoben werden. Auch der Innenausbau müsse warten. Auf Vorschlag der Verwaltung wird jetzt auf einen Dachvorsprung verzichtet; das sei optisch besser und kostengünstiger. Die Instandsetzung schlägt mit rund 150 000 Euro zu Buche.


Auch in den Umkleiden traten Probleme mit der Lüftung zutage. Rund 50 000 Euro mag es kosten, sie zu beheben, die Schränke zu entfernen und neue anzubringen. Lampen und Lautsprecher müssen im Licht aktueller Erkenntnisse ebenfalls ertüchtigt werden.


Die Gesamtkosten für die Sanierung und Erweiterung des Hallenbads sind damit auf 8,9 Millionen Euro gestiegen. Im Rathaus hofft man weiter, das Bad im April 2019 wiedereröffnen zu können, doch der Termin wackelt. Nicht allein wegen der vielen Baumängel, sondern auch, weil für die Gewerke Abdichtung, Fliesen und Estrich bei zwei Ausschreibungen nur ein Angebot einging, das die kalkulierten Kosten um 91 Prozent übertraf - die Ausschreibung wurde daraufhin aufgehoben. Die Suche nach einer Fachfirma dauert an.

"Das war schon sehr erschütternd"

Bauliche Mängel im Hallenbad schlauchen Stadträte und Verwaltung - Wartungsverträge waren jahrelang ausgesetzt
 
Laupheim - Gelindes Entsetzen herrscht bei den Stadträten über die jüngst entdeckten Baumängel am 2002 eingeweihten Hallenbad. "Das war schon sehr erschütternd", fasste Martina Miller (SPD) am Montag ihre Eindrücke bei einem Ortstermin im Mai zusammen.


Das Bad sei entweder unsachgemäß oder leichtfertig gebaut worden, trotz Fachplanern und Generalunternehmer, vermutete Miller. Von den Schäden hätte man früher erfahren können, mit einer Bauteilöffnung spätestens nach der Schließung des Hallenbads im Sommer 2017, kritisierte sie.


Die Frage, ob beim Bau des Hallenbads vor 17 Jahren geschlampt wurde, beschäftigte auch Christian Biffar (CDU). "Eine Prüfung der rechtlichen Situation würden wir dringend unterstützen", sagte er. "Da geht's um Steuergeld."


Ein Teil der Schäden sei zunächst nicht mal im Ansatz erkennbar gewesen, sagte Jan Leis von der Firma Fides, mit der Projektsteuerung beauftragt. "Den Schaden am Vordach zum Beispiel können Sie erst sehen, wenn die Fassade ausgebaut ist." Das Bad sei nach dem Stand der damaligen Technik errichtet worden.


"Wir haben damals ein preiswertes Bad in Auftrag gegeben, um nicht zu sagen: ein billiges Bad", als Ersatz für das marode Lehrschwimmbecken in der Rabenstraße, resümierte Werner Lehmann (Freie Wähler). Ihm lag besonders eine penible Prüfung des Tragwerks am Herzen: "Da ist allergrößte Sorgfalt angesagt."


"Im Raum stehen Mutmaßungen bezüglich der erbrachten Leistungen. Auf dieser Grundlage sollte man sich keine Meinung bilden", mahnte Anja Reinalter (Offene Liste). Ihr Fraktionskollege Sven Rust indes erkannte auf "grobe versteckte Mängel in der Caféteria". Das hätte die Baufirma seiner Meinung nach wissen müssen.


Die archivierten Unterlagen zum Badbau seien lückenhaft, sagte Oberbürgermeister Gerold Rechle. Es sei seinerzeit freilich, auch wegen des zeitgleich laufenden Projekts Kulturhaus, "ein extremer Kostendeckel" auferlegt worden. Irgendwann habe man dann so gespart in Laupheim - vor seiner Zeit -, "dass Wartungsverträge aufgekündigt wurden. Ob dadurch Schaden entstanden ist, kann ich nicht sagen." Fakt sei: "Wir hatten mehrere Jahre keine Verträge." Rechle betonte: "Was wir nicht nachweisen können, dürfen wir auch nicht in den Raum stellen."


Eine Regulierung zu den Mehrkosten im Bereich Baugrund werde weiterverfolgt, heißt es in der Sitzungsvorlage vom Montag. Die Stadt strebe an, den Schadensbetrag in Höhe von etwa 100 000 Euro einzufordern. Es würden alle Anstrengungen unternommen, mögliche Regressansprüche geltend zu machen.


Eine Lehre aus dieser Geschichte müsse sein, "dass wir Planungsprozesse künftig nachhaltig begleiten, nicht nur Preisobergrenzen festlegen", forderte Raphael Mangold (OL). Die Verwaltung versuche Lösungen zu finden, die die Mehrkosten drücken, ohne die Bauqualität zu vernachlässigen, versicherte Rechle.


Besser ein Edelstahlbecken?
Auf Drängen mehrerer Stadträte wird mit Blick auf die abgelösten Fliesen im Schwimmerbecken nochmals recherchiert, wie viel teurer ein Edelstahlbecken auf längere Sicht kommt. Zunächst hatte es von Seiten der Verwaltung geheißen, Edelstahl sei erheblich teurer als eine Beckensanierung und nicht wirtschaftlich. (ry)

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Ausgabe Laupheim vom 20.06.2018