Neue Turnhalle für Bihlafingen fällt kleiner aus als ursprünglich geplant - 29.11.18

Aktuelle Schätzungen sprengen den vom Gemeinderat beschlossenen Kostendeckel - Mehrheit stimmt für eine Kompromisslösung

Der beim Architektenwettbewerb siegreiche Entwurf der Stuttgarter Architekten Birk, Heilmeyer und Frenzel muss wegen Kostensteigerungen abgespeckt werden. Das hat der Laupheimer Gemeinderat entschieden. (Foto: Roland Ray)

2,5 Millionen Euro dürfe die neue Turnhalle für Bihlafingen kosten – das hat der Gemeinderat im Juli 2017 festgelegt. Inzwischen ist klar, dass der Siegerentwurf des damaligen Architektenwettbewerbs, würde er ohne Abstriche realisiert, bei rund 3,1 Millionen Euro landen würde. Das wollten Laupheims Stadträte mehrheitlich nicht akzeptieren. Sie folgten am Montag dem Vorschlag der Verwaltung, eine in Höhe, Länge und Raum reduzierte Halle zu bauen, für geschätzte 2,77 Millionen Euro.

Die Einschaltung von Fachplanern habe die Kosten um 220 000 Euro nach oben getrieben und das nicht DIN-gerechte Raumprogramm um fast 300 000 Euro, berichtete die Erste Bürgermeisterin Eva-Britta Wind. Zusätzliche Wünsche des Bihlafinger Ortschaftsrats, die Ausstattung mit Turngeräten und Preissteigerungen im Baugewerbe taten ein Übriges.

Die Verwaltung beauftragte daraufhin die Stuttgarter Architekten Birk, Heilmeyer und Frenzel, Einsparpotenziale aufzuzeigen. Am Montag empfahl OB Gerold Rechle dem Gemeinderat, eine verkleinerte Halle zu bauen, mit einer lichten Höhe von 6,10 statt sieben Meter. Damit sei das Bauwerk nicht mehr für alle, aber doch die meisten Sportarten wettkampftauglich, erklärte Eva-Britta Wind. Umkleiden, Toiletten, Foyer und andere Nebenräume schrumpften, das Spielfeld ist unverändert 27 mal 15 Meter groß. Der Ortschaftsrat stimmte dem abgespeckten Raumprogramm mehrheitlich zu. „Wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, resümierte Wind.

„Wir haben uns schon in der neuen Halle turnen sehen“, eröffnete Bihlafingens Ortsvorsteherin Rita Stetter die Diskussion. Umso mehr sei man enttäuscht, dass die bewilligten 2,5 Millionen Euro nicht ausreichen und der Rotstift angesetzt werden musste. „Das fiel uns schwer, denn bereits der ursprüngliche Entwurf war keine Luxus-Variante.“ Der Ortschaftsrat habe dennoch ja gesagt. „Wir wollen so bald wie möglich aus der alten Halle raus“, erklärte Stetter. Jene ist baufällig, mit Schimmel und Modergeruch behaftet und viel zu klein.

Für den Schulsport würde die kleinere Variante ausreichen, sagte Burkhard Volkholz (CDU), „für wettkampftaugliche Sportarten nicht“. Er sei aber überzeugt, dass es dafür durchaus Bedarf gebe oder sich ein solcher entwickeln werde. Die Halle sei für maximal 199 Personen ausgelegt, offensichtlich habe man da auch an kleinere Veranstaltungen gedacht. Manches an der vorliegenden Planung sei praxisfern: die Küche ohne Vorratsraum, zu wenige WCs, kein Stuhllager. Die CDU-Fraktion halte die ursprünglich geplante Halle für wesentlich geeigneter. Sie würde sich positiv auf den Zusammenhalt der Bürger und das Vereinsleben auswirken, koste zwar 300 000 Euro mehr, „aber angesichts des Mehrgewinns für unseren Teilort Bihlafingen muss es uns das wert sein“. Volkholz beantragte, genau diese Halle zu bauen.

Das sei eine „Salamitaktik ersten Ranges“, ärgerte sich Raphael Mangold (OL). Man habe im Rat um die 2,5 Millionen gerungen, die Priorität der Hallennutzung sollte beim Schulsport liegen; deshalb sei Volkholz’ Vorstoß schon ein wenig unredlich, „ich fühle mich da nicht ganz ernst genommen“. Ein Aufzug sei seines Erachtens nicht notwendig in einem Gebäude, dass über zwei Ebenen zugänglich sein wird, meinte Mangold. Er votierte für die 2,77-Millionen-Euro-Lösung.

Ab 200 Personen zähle eine Halle als Versammlungsstätte, warf die Baudezernentin Wind ein. „Dann haben wir eine Mehrzweckhalle und es wird richtig teuer.“

„Wir haben die Kosten gedeckelt und dem Ortschaftsrat anheim gestellt, wo er den Schwerpunkt haben will: beim Sport oder bei einer Mehrzwecknutzung“, rekapitulierte Gerold Rechle. „Klar war dabei immer: Für beide Attribute reichen 2,5 Millionen Euro nicht. Das würde eine Investition von drei bis 3,5 Millionen erfordern, das haben wir damals gesagt.“ Rechle warb für die von der Verwaltung vorgeschlagene „Kompromisslösung“, die der Ortschaftsrat ja mittrage. Nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, die Kosten bei 2,5 Millionen zu deckeln, sei es die Pflicht der Verwaltung gewesen, dem Rechnung zu tragen und eine Lösung zu suchen. Ein Stuhllager sei nicht Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe gewesen.

„Wir wollten eine Turnhalle mit ein bisschen Mehrzweckcharakter“, sagte Rita Stetter. Einen Aufzug habe der Ortschaftsrat nicht gefordert, den hielten die Fachplaner für notwendig.

„Die 2,5 Millionen Euro wurden uns vorgegeben, noch vor der Auslobung des Wettbewerbs“, sagte Christian Biffar (CDU). „Uns wurde gesagt, damit ist das zu machen. Darauf haben wir uns verlassen. Das kann man nicht den Bihlafingern ankreiden.“ Jetzt trotz der Mehrkosten für die ursprünglichen Pläne zu sein, sei keine maßlose Nachforderung. Wenn Geld einer ganzen Ortschaft zugute komme, sei es bestmöglich angelegt, betonte Peter Hertenberger (FW).

Der CDU-Antrag, den jetzt 3,1 Millionen Euro teuren Entwurf zu realisieren, wurde bei 10:10-Stimmengleichheit abgelehnt. Anschließend gab es 17 Ja-Stimmen (bei sechs Enthaltungen) für den Vorschlag der Verwaltung, die 2,77-Millionen-Euro-Variante weiterzuverfolgen.

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Ausgabe Laupheim vom 29.11.2018