Die künftige Nutzung des früheren DRK-Gebäudes am Germania-Kreisel bleibt offen - 28.3.19

OB Rechle findet für seine Vision keine Mehrheit im Gemeinderat

Wie wird das frühere DRK-Gebäude genutzt, wenn die Stadt es saniert hat? Die Frage bleibt einstweilen ohne Antwort. (Foto: Axel Pries)

Von Roland Ray

Die künftige Nutzung des früheren DRK-Gebäudes am Germania-Kreisel bleibt offen. Mit knapper Mehrheit (14:12) hat der Gemeinderat am Montag so entschieden. Vergeblich warb Oberbürgermeister Gerold Rechle für einen Grundsatzbeschluss, in dem Haus bis in ein paar Jahren die Stadtbibliothek unterzubringen.


Mit Blick auf das benachbarte ehemalige „Hotel Post“, in das nach umfassender Sanierung die Volkshochschule einziehen soll, stellte Rechle noch einmal die Vorzüge eines gemeinsamen Standorts für beide Kultureinrichtungen heraus. Der OB und die Erste Bürgermeisterin Eva-Britta Wind entwarfen die Vision einer modernen Lernwerkstatt mit PC-Arbeitsplätzen und Aufenthaltsqualität, in der zeitgemäße Bildungsangebote und das Know-how von VHS und Bibliothek einander ergänzen, für Menschen jeden Alters, die sich privat, schulisch oder beruflich fortbilden möchten. Ein solches Konzept wurde unter anderem in Biberach umgesetzt.


Zusätzlich zu diesen Synergien führte Rechle die „sehr gute und zentrale“ Lage des „Post-Areals“ und die Nähe zum geplanten Parkhaus Rabenstraße ins Feld. Die Ansiedlung von VHS und Stadtbibliothek würde die untere Mittelstraße aufwerten, hob er hervor.


Planen aus einem Guss
Für das „Post-Areal“ brauche es, auch aus wirtschaftlichen Gründen, unbedingt eine Gesamtplanung „aus einem Guss“, sagte Rechle. Deshalb sei es wichtig, jetzt vorab einen Grundsatzbeschluss auch zur künftigen Belegung des früheren DRK-Gebäudes zu fassen. Realisieren ließen sich die Pläne dann in Etappen, „so, wie es finanziell verträglich ist“. Schritt eins sei die baldige Sanierung des „Hotel Post“-Gebäudes, dessen Bausubstanz zunehmend leidet; es herrscht Konsens, dass dort die VHS einzieht. Mit einem „Zeitversatz von vier bis fünf Jahren“ käme dann das DRK-Gebäude an die Reihe, schlug der OB vor.


Auch dieses Haus wollen die Stadträte erhalten; wie es künftig genutzt werden soll, darauf mochte sich die Mehrheit zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht festlegen. Das zeichnete sich schon vergangene Woche ab, als der Bau- und Umweltausschuss in nichtöffentlicher Sitzung mit 8:6 Stimmen dem Gemeinderat empfahl, die Pläne für das „Hotel Post“ voranzutreiben, am Nachbargebäude aber zunächst nur Schäden zu beheben.


Für die Freien Wähler begründete am Montag Werner Lehmann diese Haltung. Die Stadtbibliothek solle zunächst ja vom Rathaus in die frühere Vögele-Filiale in der König-Wilhelm-Straße umziehen. Dafür Geld ausgeben und sich gleichzeitig auf das DRK-Gebäude als künftige Bleibe festlegen, „das entspricht unserer Vorgehensweise nicht“, sagte Lehmann. Die Entscheidung müsse auch nicht sofort getroffen werden, zumal auch noch offen sei, wie es mit dem Rathaus weitergeht. Im Übrigen müsse erst einmal genauer untersucht werden, „was mit der Sanierung der ,Post' finanziell wirklich auf uns zukommt“.


Die Mitglieder der CDU-Fraktion seien hinsichtlich der Nutzung des DRK-Gebäudes unterschiedlicher Meinung, sagte der Fraktionschef Burkhard Volkholz. Die Mehrheit favorisiere allerdings nicht die Stadt-bibliothek in diesem Gebäude, sondern sei offen für andere Nutzungen, „städtisch, geschäftlich oder privat“. Grund dafür sei zum einen, dass der angestrebte Wechsel der Bücherei in die frühere Vögele-Filiale Vorteile biete, etwa die zentrale Lage mit ausreichend Stellplätzen in unmittelbarer Umgebung. Volkholz deutete außerdem die Option an, diese Räumlichkeiten städtischerseits nicht zu mieten, sondern zu kaufen. Das wäre eine dauerhafte, rasch realisierbare Lösung, sagte er.


„Gravierende Nachteile“
Ein Einzug der Stadtbibliothek in das DRK-Gebäude hätte laut Volkholz „gravierende Nachteile“. Die Sanierung, der Einbau von Aufzügen und ein wegen der unzureichenden Flächen notwendiger Anbau würden mehr als fünf Millionen Euro kosten. Der Standort sei unattraktiv, liege an einer der meistbefahrenen Straßen Laupheims. Eine Nutzung des bereits jetzt überfüllten Activ-Center-Parkplatzes sei „zweifelhaft“, das geplante Parkhaus Rabenstraße etwa 300 Meter entfernt („für einen schnellen Büchertausch serviceunfreundlich“).


Mit der Sanierung und Erweiterung des Parkbads, der Sanierung des „Hotel Post“-Gebäudes und der erneuten Verlegung der Stadtbibliothek in einigen Jahren würde die Stadt insgesamt rund 20 Millionen Euro in freiwillige Leistungen stecken, sagte Volkholz. Eine solche Verwendung von Steuergeldern könne wohl kaum jemand nachvollziehen, zumal andere Kultureinrichtungen wie die Musikschule und das Planetarium ebenfalls auf eine Sanierung beziehungsweise Erweiterung warteten. Stadtverwaltung und Gemeinderat seien zu sparsamer Haushaltsführung verpflichtet.


Die vom OB angeführten Synergien von VHS und Bibliothek überzeugten sie nicht, sagte Martina Miller (SPD). Der langjährige Erfolg der Laupheimer Bücherei rühre auch von ihrem zentralen Standort - „eine Nutzerumfrage würde das bestätigen“. In den früheren Vögele-Räumen könnten sich zusätzliche Optionen wie Kauf und Erweiterung ergeben.


„Kultur braucht Mut“
Die Offene Liste unterstützte Rechles Vision. „Kultur braucht auch Mut“, sagte Anja Reinalter. Auf dem „Post-Areal“ könne ein neues Kulturzentrum entstehen und die untere Mittelstraße beleben. Dem pflichtete der CDU-Stadtrat Christian Biffar bei. Einen Schul- und Bildungscampus stellt er sich im Bereich untere Mittelstraße/Rabenstraße vor, der Weg vom künftigen Parkhaus über den Quartiersplatz zum „Post-Areal“ sei so weit nicht. Biffar warnte: „Wenn wir das DRK-Gebäude jetzt liegenlassen, dauert es Jahre, bis sich dort etwas bewegt.“ Seine Vision ist eine attraktive Achse Mittelstraße - Rathaus - Schlosspark: „Dann hat Laupheim die Innenstadt, die es verdient“.


Er wisse nicht, wo Burkhard Volkholz seine Zahlen hernehme, entgegnete Gerold Rechle. Es sei im Übrigen noch keineswegs bewiesen, dass die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante unwirtschaftlicher wäre als andere Lösungen. Zum Thema Parken merkte der OB an: „Wir sind der Meinung, das Parkhaus Rabenstaße soll und muss auch den unteren Teil der Mittelstraße bedienen.“ Die Entfernung sei zumutbar.


Der OB mühte sich an diesem Abend vergeblich. Am Ende folgte eine 14:12-Mehrheit dem im Bau- und Umweltausschuss gefassten Empfehlungsbeschluss.

Copyright Schwäbische Zeitung -
Ausgabe Laupheim vom 28.3.2019